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Norwegen Reisetipps

Wieso der Dezember nicht die beste Zeit ist, um Polarlichter zu sehen — Ein Winter-Roadtrip von Tromsö nach Senja

Wir waren in Narvik-Evenes gelandet, aber unsere Koffer nicht.

Normalerweise habe ich immer ein Set an Klamotten und meine Zahnbürste im Handgepäck. Dieses Mal musste der Platz für die schweren Winterschuhe herhalten, also packte ich um #shithappens. 

Der winzige Flughafen in Narvik-Evenes schließt samstags um 14 Uhr und niemand konnte uns sagen ob die Koffer am Folgetag ankommen werden, oder nicht.

Einen Tag später war mein Giraffen-Koffer und auch der Rest von unserem Gepäck gelandet. So fuhren mein Reise-Buddy und Ich in den vom Vortag miefenden Klamotten zurück zum Flughafen, sammelten unsere Gepäckstücke ein, und verloren unseren ersten kompletten Reisetag an das Koffer-Chaos #shithappens.

Hi, ich bin Jill (falls du heute zum ersten Mal hier vorbeischaust). So wie gerade beschrieben läuft es fast immer ab, wenn ich unterwegs bin. Herzlich Willkommen auf einem weiteren Reiseabenteuer von mir.

Der Plan war wie folgt:

Von Tromsö zur Insel Senja in Nord-Norwegen und zurück

Auf der Suche nach einem wolkenfreien Sternenhimmel, fuhren wir rund 2.000 Kilometer mitten durch Schneestürme, Nebel und Regen.

Von minus 11 Grad Celsius inmitten der Insel Senja bis 5 Grad Celsius in Tromsö war alles an Wetter mit dabei.

Um die gleiche Jahreszeit war ich vor ein paar Jahren zu Silvester auf den Lofoten. Neujahr unter Polarlichtern anstatt unter Feuerwerk klappte auf der Lofoten-Reiseroute ziemlich gut.

Dieser Senja-Trip hingegen glich einem Comic-Film:

Eine dicke, dunkle, traurig schauende Wolke schwebte treu über unserem Auto, das mit Spikes über die eisigen Pisten fegt. Die Radiosender ließen passend zur Stimmung die Wahl zwischen einer Dauerschleife “Kuschelrock 1996”, fetzigem norwegischem Schlager, Hardcore-Rock, miesem Gangster-Rap oder Country Musik. Die Regenwolke verließ uns so gut wie nie. Wir schossen etliche Male an Elchen vorbei, nahmen die ein oder andere falsche Abfahrt oder konnten aufgrund von Schneegestöber weder Straße noch Straßenschilder erkennen.

Wir mussten uns eingestehen, dass wir den gesamten Urlaub über Fehlentscheidungen trafen und dem schönen Wetter den Rücken kehrten. Falsche Entscheidungen waren nicht unbedingt die Schlechtesten, und so erlebten wir trotz Schneegestöber und andauerndem Regen einige Highlights.

So hielten wir einmal mit spontaner Vollbremsung in einer privaten Einfahrt mitten an einer Hauptstraße, da wir meinten, einen perfekten Fotospot erspäht zu haben: Ein Haus. Uns trennten 20 Meter von der perfekten Stelle. Mit dem ersten Schritt versanken wir mit Kamera-Equipment behangen bis zur Hüfte im Schnee. Tapfer kämpften wir uns Zentimeter für Zentimeter durch den Schnee voran. Vorbeifahrende Autofahrer schüttelten Köpfe über uns. Wir lachten und gaben nicht auf. Ich verlor für eine Sekunde meinen Stiefel und rollte mich zuletzt mit letzter Kraft aus dem Schneeberg auf die Hauptstraße, wo mich fast ein LKW überfuhr. #nichtnachmachen

Im Folgenden habe ich Euch einmal ein paar Must-Do´s zusammengefasst:

Schön mit ø – Tromsö

In Tromsö gibt es Fjellheisen, das Cable-Car. Die Fahrt mit der Gondel hinauf hat sich definitiv gelohnt und ist jeden Cent wert. Die Aussicht war unschlagbar, der Wind allerdings eisig.

Die Eismeerkathedrale “Ishavskatedralen”, das Wahrzeichen von Tromsö, ist ein architektonisches Meisterwerk und schön anzusehen.

Ziemlich beeindruckend finde ich in Tromsö die beheizten Gehwege. Durch die extremen Temperaturschwankungen glichen die Straßen und Gehwege einer Schlittschuh-Bahn. Ein Dank gilt hier erneut meinem Reise-Buddy, der zwar über meine Schuhwahl fluchte, mich stündlich aber vorm Ausrutschen bewahrte. Durch die Fußbodenheizung in der Stadt waren die Wege dort komplett frei. Genial, Tromsö! Das muss man dir lassen.

Ansonsten reiht sich in Tromsö ein Souvenir-Geschäft an das nächste und in den hübschen Neben-Gassen verstecken sich gemütliche Cafés wie auch “Hygge” Dekor-Stores. Wir stapften eher planlos kreuz und quer durch die Straßen und ließen den norwegischen Zauber der Stadt auf uns wirken.

Ausblick vom Fjellheisen auf Tromsö


Die Insel Senja im Dezember – Schnee, Berge und (keine) Nordlichter

Haltet Euch fest! In Norwegen gibt es 150.000 Inseln. Die zweitgrößte Insel des Landes ist Senja. Wer ein Fan von Bilderbuch-Landschaften ist und es ruhig, idyllisch und abgelegen mag, ist hier genau richtig.

Senja befindet sich etwa 350 Kilometer nördlich des Polarkreises und es ist im Dezember etwa von 9:30 bis 15 Uhr hell. Es erwartet Euch ein riesiger Haufen Schnee, Rentiere und eine bergige Landschaft, die nahezu stoische Ruhe ausstrahlt und dir die Sprache verschlägt. Die ganze Insel ist landschaftlich der Knaller und lädt in den Sommermonaten zum Wandern und Angeln ein. In den Wintermonaten ist Senja der perfekte Ort zum Energie tanken, dahin träumen oder um in Schneebergen stecken zu bleiben. Zauberhaft!

Gisundbrua – Das Tor nach Senja

Augenscheinlich eine ganz gewöhnliche Brücke und gleichzeitig so wichtig: Die Gisundbrua verbindet das Festland in Finsnes mit Senja. Den besten Blick auf die Brücke gibt es von einer kleinen Stelle in Silsand. Fahrt von Finsnes aus über die Brücke und biegt direkt die erste Straße rechts ab. Von dort geht ein weiterer Weg rechts ab bis ans Wasser heran.
Dort haben wir unser Auto abgestellt und mutterseelenallein einen magischen Blick auf die beleuchtete Brücke und den Sternenhimmel genossen.

Ersfjord – Der wohl fotogenste Spot auf Senja

Fahr über Bergpässe, durch etliche Tunnel, stets vorbei an einer Landschaft wie aus einem Bilderbuch – dann erreichst du den Ersjford. Er ist einer der beliebtesten Fjorde in der Tromsö-Region und liegt idyllisch von Bergen umgeben bei Ersfjordbotn im Norden von Senja. Aufgrund seiner wunderschönen Lage ist der Fjord unfassbar fotogen und ein beliebter Spot für Fotografen. Ein Strand lädt zum Relaxen ein und wer mag, kann am Camping-Spot ein Lagerfeuer zünden.

Wichtiger Hinweis: Leider waren die Toiletten-Häuschen vor Ort im Winter geschlossen.

BlissandJaunt_Tromso

Der Polar-Park in Bardu –  Norwegens Wildlife hautnah erleben

Der “Polar Park Artic Wildlife Centre”, der nördlichste Wildpark, legt viel wert darauf, dass seine Tiere in einer natürlichen Umgebung leben. So wurde um das natürliche Habitat von Wölfen, Bären und Co. ein weitläufiger Zaun gezogen. Die Jahreszeit war für einen Ausflug in den Park optimal.

Die geführte Tour zu den Braunbären führte uns durch einen Trampelpfad im Schnee, wo wir ganz dicht am Gehege stehend die Bärenfütterung miterleben durften. Die Moschusochsen lagen ebenso wie die Elche gemütlich im Schnee. Die Luchse führten uns eine Sprung-Show aus dem Stand vor. Bei den Wölfen erhielten wir ganz exklusiv ein beeindruckendes Heul-Konzert. Die Rentiere liefen frei im Park herum. Ein Besuch im Winter wird vom Park sogar empfohlen, da die Tiere aufgrund der Kälte wesentlich aktiver sind. 

Braunbär Polar Park Bardu

Welche ist nun die beste Zeit für Nordlichter auf Senja?

Ganz ehrlich. Der Dezember ist es definitiv nicht. Der ist es auch nicht auf den Lofoten gewesen. Dort hatten wir einfach unfassbar viel Glück mit dem Wetter und sogar PSC-Clouds zu sehen bekommen. Fakt ist, dass das Polarlicht grundsätzlich immer Aktivität zeigt. Wenn allerdings das Wetter nicht mitspielt und der Himmel von Wolken übersät ist, nützt die beste Aurora-Borrealis-Aktivität nichts.

Wir sind 2.000 Kilometer quer über die Insel Senja gefahren, haben sogar einen Abstecher nach Schweden gemacht, und lediglich an einem Abend zeigte sich ein Sternenhimmel-Deluxe – die Tanzfläche vom Polarlicht.

Ach Senja, du warst schon ein chaotisches, kleines, hübsches Highlight. Auch wenn das Nordlicht nicht so für uns tanzte, wie wir es uns gewünscht hatten, waren wir entzückt und ganz verzaubert von der Gemütlichkeit (vielleicht sogar gerade wegen dem prasselnden Regen?) dieser Insel.

Aber: Da geht noch mehr. Das wissen wir beide. Deswegen komme ich nochmal für einen Roadtrip wieder – nur nicht im Dezember.

Jill ♥

Nordlichter_Senja_BlissandJaunt

Die hübschen Fotos in diesem Post kommen aus der Linse von meinem Travel-Buddy Steffen, zu finden auf Instagram: @a_z_photo

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