Bliss & Jaunt
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Inspiration Südafrika

Nkosi sikelel’ iAfrika ♥ Mein Sehnsuchtsort Südafrika

Wenn Du Dich auf der Stelle wegbeamen könntest, wohin wäre das?

Du kennst diese Tage, oder? Wenn in Deutschland mal wieder alles drunter und drüber geht, dir die Luft zum Atmen fehlt, du einfach mal dem Chaos entkommen möchtest oder dich über Hinz und Kunz aufregst. Dann wünscht man sich entweder einen Harry-Potter-Unsichtbar-Umhang herbei oder man möchte am liebsten schnell mit einem Fingerschnipp weg. An einen Ort, der für dich Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlt und dich umarmt. Die Flucht aus dem Alltag. Das soll es sein! Dieses Fleckchen habe ich für mich am wohl schönsten anderen Ende der Welt gefunden.

Normalerweise lautet meine Devise: Kehre nicht jedes Mal an den gleichen Ort zurück! Die Welt ist dafür viel zu groß, die Zeit so knapp. Besuche in diesem einen, wertvollen Leben so viele Länder, Kulturen und Orte wie es dir nur möglich ist.

Jetzt kommt´s: Ich blieb meinem Grundsatz nicht treu. Ich habe ihn gefunden – meinen einen ganz besonderen Ort, an den es mich immer wieder zurückzieht und es mir nie langweilig wird. Ein Platz, den ich bereits mein zweites zu Hause nenne. Wenn ich mich nun also auf der Stelle wegbeamen könnte, dann wäre mein Ziel: Südafrika! Ja, ganz richtig. Da unten auf der südlichen Halbkugel, ganz weit weg von meiner eigentlichen home-base Deutschland. Wie kam es dazu? Spulen wir mal zurück…

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Südafrika, Du inspirierst mich!

In Port Elizabeth am Flughafen nehme ich erschöpft vom Flug meinen Backpack entgegen, todmüde und mit zerzaustem Haar. Es ist Mitte Januar, Hochsommer. In mein neues Zuhause für die kommenden drei Monate will ich noch nicht. Also werden die Klamotten nur schnell in Lorraine im Haus abgeliefert und in Windeseile das Flugoutfit gegen Shorts und Top getauscht.

Los geht’s: Mein erstes Ziel ist das Meer! Die Flip-Flops fliegen in den Sand. Sehnsüchtig laufe ich los, vorbei an grasgrünem Gebüsch – schnurstracks in Richtung Wasser, wo ich schon die Wellen rauschen höre. “Hallo, du wunderschönes Land, was hab’ ich Dich verdammt nochmal vermisst!” Das letzte Mal stand ich vor einem Jahr genau hier – Hand in Hand. Ich atme die salzige Meeresluft ein, während ich am Schoenmakerskop-Strand auf den warmen Granitfelsen stehe, an die die meterhohen Wellen prallen. Der Wind weht mir um die Ohren. Was wäre diese Küste am Ostkap bloß ohne diesen Haare-zerzausenden Wind? Jeden einzelnen Sonnenstrahl sammle ich ein. Mein Blick wandert aufs tiefblaue Meer und folgt den Bewegungen jeder Welle. Ich verharre einen Moment in Erinnerungen und vergesse dann für einen weiteren Moment alles um mich herum.

Auf dem Rückweg drehe ich das Radio lauter, während ich die Küste von Schoenmakerskop zurück nach Port Elizabeth entlangfahre. Das dichte Grün ist teilweise von den massiven Buschbränden der letzten Wochen völlig herunter gesenkt. Die Autofenster sind geöffnet und der süßliche Geruch von Fijnbos kitzelt mir in der Nase. Aus den Lautsprechern singt mir J´Something mit seiner mitreißenden Stimme ins Ohr. Mir rutscht ein zufriedenes, glückliches Lächeln über die Lippen, während mir sogar eine klitzekleine, glitzernde Freudenträne über die Wange kullert. In mir macht sich Ruhe und Zufriedenheit breit. Meine Finger trommeln schier völlig von allein den Takt vom Song auf meine Oberschenkel und plötzlich schien mir alles klar:

South Africa, I found a heaven in you!

Der Song von J´Something und Hugh Masekela ist inspiriert durch die Geschichte und die atemberaubende, umfassende Schönheit Südafrikas. Er ist ein ehrlicher Liebesbrief an das Land, trifft genau ins Herz und spricht mir aus der Seele. Drehort für das beeindruckende Musikvideo war der Tsitsikamma Nationalpark im Western Cape – einer der umwerfendsten Spots entlang der Garden Route.

Nkosi sikelel’ iAfrika – Wieso liebe ich Dich so, Südafrika?

Gott segne Afrika! 11 Landessprachen und nur eine Hymne, 1902 gedichtet als Kirchenlied: “Nkosi sikelel’ iAfrika” trällerte ich nach meinem Auslandsjahr im südlichsten Paradies des afrikanischen Kontinents besser mit als die deutsche Nationalhymne. Auwei!

Als ich 2011 das erste Mal in Port Elizabeth war, da ahnte ich noch nicht, dass ich in dem kommenden Jahr die Eindrücke meines Lebens sammeln und für ewig in meinem Herzen abspeichern würde.

Ich weiß nicht genau, wann es geschehen ist, dass ich mich so sehr in dieses Land verliebte.

Vielleicht in dem Moment, als ich realisierte, dass es einfach absolute Zeitverschwendung ist, sich die Haare schön zu machen, denn der Wind wird’s schon richten.

Vielleicht auch an dem Tag, als mich die Delfine begrüßten, während ich so gemütlich und deppenhaft auf meinem Surfbrett dahin paddelte.

Es kann auch die Kultur gewesen sein, die mir jeden Tag aufs Neue beigebracht hat, dass es wichtig ist im Heute zu leben.

Vielleicht war es meine erste Begegnung mit einem Wal in Hermanus, der seine gigantische Walflosse zur Begrüßung vor mir aufs Meer platschte.

Vielleicht habe ich mich auch in Südafrika verliebt, als ich das erste Mal in Grahamstown im Township zu Besuch war und so herzlich empfangen wurde, als wäre ich ein Familienmitglied.

Auch diese Momente, in denen ich im Township von kleinen schwarzen Kindern umzingelt wurde. Der eine klammert sich auf den Rücken, während drei andere meine Sommersprossen zählten und wiederum zwei andere meine Haare bürsteten.

Vielleicht war es auch jeder einzelne Schritt, den ich barfuß durch den Sand gemacht habe. Die unendlich weiten Sanddünen und wunderschönen, menschenleeren Strände wie in Sardinia Bay, haben mich verzaubert.

Gemütliche Braai-Abende gemeinsam mit Freunden, mindestens einmal die Woche, sind in Südafrika ein Muss. Das Straußensteak und die Lamb-Chops haben sich direkt in mein Herz gefuttert.

Die südafrikanische Kultur lehrte mich jeden Tag aufs Neue, wie wichtig Familie ist und dass man füreinander da ist, egal ob Cousin, Schwester, Neffe oder Oma.

Vielleicht verliebte ich mich auch jeden Tag aufs Neue in Südafrika, genau dann, wenn mir die Menschen dort mit absoluter Gelassenheit, Hilfsbereitschaft und Offenheit begegneten. Sei es beim Surfen, als ich mir mehr das Brett vor den Kopf schlug, als darauf zu stehen. Oder als ich gemütlich auf einer Bank an der Strandpromenade ein Buch las und mich einfach ein alter Herr ansprach und wissen wollte, woher ich komme.

Es gab eine Situation, da bin ich ein wenig genervt durch den Pick´n Pay Supermarkt geirrt und habe irgendwas Essbares gesucht. Da stand sie auf einmal und räumte die Regale mit Oats ein. Sie summte vor sich hin. Ihre braunen Kulleraugen strahlten. Ein paar andere Verkäuferinnen kamen dazu und plötzlich trällerten alle gemeinsam ein afrikanisches Liedchen, ganz inbrünstig und voller Liebe. Es blieb nicht bei dieser einen Situation. In Südafrika wird gesungen und geklatscht und geschnipst und getanzt (zumindest bei den Schwarzen) – wann immer den Menschen dort danach ist.

Es kann die vielseitige Landschaft entlang der Garden Route gewesen sein, die mich immer wieder zum Staunen bringt.

Der süßliche Geruch von Fynbos, der stets in der Luft liegt. Der Geruch von salziger Meeresluft.

Vielleicht war es auch, als ich realisierte, wie gut wir es eigentlich haben. Wir haben immer etwas zu Essen auf dem Tisch. Ich hatte eine aufgeschlossene, herzliche Haushaltshilfe. Lulu war ihr Name. Eines Tages brachte sie meinen Müll raus und kam mit drei verrotteten Tomaten zurück. Ich hatte sie zuvor weggeworfen. Sie waren so matschig und ich wollte sie nicht mehr essen. “Jill, can I have those, please?” Lulu hatte die matschigen Tomaten aus meiner Mülltüte gefischt und wollte daraus noch eine leckere Soße kochen. Ich war erschüttert und dann realisierte ich, wie verschwenderisch wir eigentlich leben. Von diesem Tag an habe ich nie wieder etwas weggeworfen, sondern meine Lebensmittel-Reste verschenkt.

Vielleicht war es auch der Moment, an dem ich realisierte, welchen Freiraum wir in Deutschland eigentlich besitzen. Die Wohnung ist aus Sicherheitsgründen mit Gittern vor den Fenstern verrammelt. Da fühlt man sich schon öfters mal wie im Gefängnis. Sobald es dunkel wird, geht man nicht mehr zu Fuß. Nirgendwo hin. Man nimmt das Auto.

Vielleicht war es auch jeder einzelne Tag aufs Neue, an dem ich etwas Neues über die südafrikanische Kultur lernte. Jeder Tag, an dem ich eine neue Erkenntnis über mich selbst hatte.

Die Liste könnte ich noch ewig so weiter führen.

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Mein Ort der Ruhe und Kraft

Südafrika 12 Monate lang mein zu Hause nennen und hautnah miterleben zu dürfen war eine der aufschlussreichsten Erfahrungen, die ich damals – zarte 23 Jahren alt – machen durfte. Anfang dieses Jahres bin ich erneut zurückgekehrt. Ganz gedankenverloren und mit einem merkwürdigen Gefühl im Herzen, für welches ich einfach nicht die richtigen Worte fand.

2011 war ich zum ersten Mal in Port Elizabeth und bin ein Jahr später als ein anderer Mensch nach Deutschland zurückgekommen. Deutschland erlebte ich zu hektisch, zu unfreundlich und zu unzufrieden, und so bin ich direkt wieder weggegangen (ja zum Studium in die Niederlande). Erst vier Jahre später bin ich nach Südafrika zurückgekommen und habe Urlaub gemacht. Es fühlte sich direkt an wie Heimat. Alles war so vertraut, als wäre ich niemals weg gewesen. Und nachdem mir mein Leben in 2016 meinen Norden genommen hat, bin ich spontan im Frühjahr 2017 für drei Monate noch einmal zurück in meine zweite Heimat geflogen, um festzustellen, dass ein Teil von mir immer dort geblieben ist. Am südlichsten Punkt Afrikas hab’ ich einen Zufluchtsort gefunden, der mir hilft meinen Kompass wieder einzunorden.

Jeder Tag in Südafrika ist ein kleines Abenteuer, eine Reise zu mir selbst. Jeder Tag bringt eine neue Erkenntnis mit sich.

Die Gefühle, die ich in Südafrika und für dieses Land empfinde sind so real, dass ich sie sofort tief spüre, wenn ich nur südafrikanischen Boden betrete. Wann immer es mir schlecht geht, brauche ich mich nur an die Regenbogen-Nation zu erinnern und ich merke, wie meine Seele sich beruhigt. Ich spüre das Glück und den inneren Frieden. Ich verbleibe dann ein Weilchen in meinen Erinnerungen, die mein sicherer Hafen sind. Mein ganz persönlicher Sehnsuchtsort trägt eine besondere Bedeutung für mich. Und diese Bedeutung wird er auch niemals verlieren.

Jill Witschorek Bliss & Jaunt. Foto by Sharyn Hodges

Südafrika, du bist mein absoluter Zufluchtsort! Mein Sehnsuchtsort, meine zweite Heimat, mein Ort der Ruhe und Kraft. Danke, dass du mich jedes Mal zufrieden machst und mir klarmachst, was wirklich zählt im Leben. Ich komme auch in Zukunft wieder vorbei, wenn mein Herz nach der Flucht aus dem Alltag schreit.

Und jetzt bist Du dran! Verrat´s mir mal…

Wenn Du Dich jetzt auf der Stelle wegbeamen könntest, wohin wäre das? Hast du auch einen Sehnsuchtssort oder bist du noch auf der Suche?

Nkosi sikelel’ iAfrika

♥  Jill

 

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2 Comments

  • Jill | bliss & jaunt
    27. Juli 2017 at 20:08

    Liebe Lisa, es freut mich zu hören, dass Du mit mir auf einem Nenner bist. Ich würde direkt mit euch im Oktober ins Flugzeug steigen 😉 was habt ihr geplant?
    Ich wünsche euch schon jetzt jede Menge Spaß und ganz viele tolle Eindrücke 😀

  • Lisa
    26. Juli 2017 at 18:41

    Jill, du sprichst mir aus der Seele! Wunderschöner Atikel, der mir noch mehr Lust auf unsere (zweite) Südafrika Reise im Oktober macht :-)! Sehr schöner Blog, da schaue ich gerne wieder vorbei!
    Liebe Grüße, Lisa

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