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Norwegen: Ein Wintermärchen zum nicht satt sehen können

Wenn es verwunschene Märchenlandschaften auf diesem Planeten gäbe, dann wär wohl eine davon in Norwegen. Ich finde ja, dass man ein Land am Besten kennen lernt wenn man es zu Fuß erkundet oder mit dem Auto durch die Gegend düst und vor allem an den Orten stehen bleibt, wo niemand sonst auf die Idee kommen würde, anzuhalten. Genau das haben wir gemacht! L(e)icht verrückt mal eben 7 Tage auf die Lofoten geflogen!

Trotzdem oder vielleicht gerade weil es Winter war, war die Landschaft einfach nur atemberaubend schön. Hinter jeder Kurve verbarg sich etwas Wunderschönes! Es war so vielseitig noch dazu: Strände, Berge, felsige Landschaften, Wälder und karge ockerfarbene Flächen.

Meist dämmerte es so gegen 13:30 und nicht allzu viel später meldete sich meine innere Uhr um meinen Äuglein zu signalisieren: Es ist Schlafenszeit. Gott sei Dank gibt es köstlichen Kaffee und überteuerte Hotdogs an jeder kleinen Raststelle. Vom schwarzen Gold trinken die Skandinavier ja bekanntlich um die 12 Tassen am Tag. Streichhölzer zwischen die Augenlieder geklemmt wäre für jemanden wie mich, der beim Reisen gern aufs Portemonnaie achtet, sicher günstiger gekommen. Nunja, diesmal hatten Abenteuer ihren Preis!

Bodø und der Saltstraumen

Die erste Nacht verbrachten wir bei Sturm und Pladderregen in Bodø. Von dort aus besuchten wir den etwa 33km entfernten Saltstraumen, wo sich auch jede Menge Weißschwanz-Seeadler über unseren Köpfen tummelten. Es ist schon ein verrücktes Phänomen, dieser Saltstraumen. Mit bis zu 10m Durchmesser ist der natürliche Gezeitenstrom der größte der Welt und verbindet den Saltfjord und Skjerstadfjord mit einer rasenden Geschwindigkeit von bis zu 20 Knoten. Reinfallen also besser nicht riskieren. Ich vermute, dass dieser Öko-Whirlpool einen direkt mit seinem Sog verschlucken würde.

Staunend am Salzstraumen: Verrückte Natur!

Die Magie der gesamten Umgebung lag in den zerklüfteten Bergzügen, der Vegetation. Und an einigen Stellen hätte ich liebend gern ein Zelt aufgeschlagen!

Straumnes – Das Noorderlicht Gasthuis! 

Die meisten Tage verbrachten wir in Straumnes in einer niedlichen Unterkunft der holländischen Gastgeber Marijke und Frans: Das Noorderlicht Gasthuis! 

Marijke servierte uns nicht nur köstliches typisch norwegisches Frühstück, sondern sorgte auch stets dafür, dass ausreichend Kaffee und Tee zur Selbstbedienung zur Verfügung standen. Brauchte man Tipps für Wanderungen, Wal-Boots-Touren oder wo die besten Nordlichter zu finden sind – die herzliche Holländerin wusste Bescheid! Das gesamte, liebevoll und wild zusammengestellte Inventar stammte aus dem ehemaligen Hausboot der beiden Segelfans, die auch heute noch beliebte Segeltörns für Touristen anbieten. Nur vollends auf dem Segelboot wohnen, das wollten sie irgendwann nicht mehr. Und da sie sich Hals über Kopf in die Lofoten verguckt hatten, ließen sie sich dort vor 12 Jahren nieder. Marijke verriet mir, dass die größte Umstellung für sie war, dass man in einem echten Haus nichts mehr befestigen musste – hier fliegt ja nichts mal eben durch die Gegend. Dass man sich da nach vielen Jahren auf einem Ozean nicht so schnell umgewöhnt, das nimmt man ihr nicht übel. Ich fand´s schön, dass alles seinen festen Platz an der Wand hatte.

Die Party stieg definitiv nicht im Wohnzimmer, sondern erst eine Stunde später oben aufm Hügel…


Rote Häuschen, malerische Berge und spiegelglatte Seen

Ein See hatte es mir ganz besonders angetan, und ich fühle mich unglaublich schlecht, nicht sagen zu können, wo er lag. Auf dem Weg dorthin begegneten wir Elchen und Rentieren, von denen ich keine Fotos schießen konnte, da wir immer zu schnell vorbeigerast sind.

Nach Neujahr gabs, als hätte mich eine der tausend Sternschnuppen vom Vorabend erhört, jede Menge Schnee: Hach, Schnee! Da freute sich mein Herz und schon wieder grinste ich wie das Leberwurstkind. Derweilen kam ein richtig wohliges Wintergefühl auf. Wir norddeutschen Kinder – born in the 80´s – kennen diesen Anblick und dieses Glücksgefühl ja nur noch aus einer Zeit, als alles möglich schien und man noch mit Schlitten am kleinen Seilbahnberg vor der Türe in die weite Welt hinaus rodelte.
Und jetzt direkt vor meinen Augen, wo man auch hinsah: Schnee! Berge von Schnee!

Während mein Reisekumpane Steffen uns ganz souverän – fast so als hätte er niemals etwas anderes gemacht, als kleine VW Up´s über vereiste Pisten zu jagen – in Richtung Narvik steuerte, klebten meine Augen an der Windschutzscheibe.

So weit das Auge reichte, Schnee, malerische Berge, spiegelglatte Seen und entzückende typisch rote Häuschen. Falls Ihr euch auch schon immer gefragt habt, wieso die Häuschen eigentlich rot sind und es überall in Skandinavien so aussieht wie bei den Kindern aus Bullerbü:

Es handelt sich bei dem Farbton um Falunrot. Irgendwann in der Geschichte um 1616 hat sich jemand dazu entschieden, dass es fabelhaft und idyllisch aussehen würde, wenn man die Nebenprodukte aus dem Kupferbergbau dafür nutzt die Wände zu bepinseln. Die Ära des Schwedenrots begann in der Stadt Farun, woher auch der Name rührt. Heute sehen die Häuschen nicht nur schnieke aus, sondern die Inhaltsstoffe der Farbe konservieren sogar noch das Holz. Siehste, wieder was gelernt!

Unsere Lofoten Reise diente einzig und allein der Nordlichterjagd und zwischendurch fühlte ich mich schon ein wenig wie in einem Abklatsch von dieser Serie mit den Tornado-Jägern. Angekommen in Narvik gabs nen kurzes Nickerchen, ein Abstecher in den Supermarkt, um uns mit neuer Lakritz und ein bisschen Dosenbier einzudecken. Wer hätte es geahnt, der nächste Blick folgte auf die App, die uns verzeichnete, dass in Schweden klare Sicht herrschen würde. Es folgte das tägliche Prozedere: Lange Unterhosen, Skihose, Omi´s kuscheliges Hemdchen aus Angora wolle („Damit die Nieren auch schön war bleiben, mein Kind!“), Mütze, Handschuhe, Kopflampe und so weiter und so fort…

Abisko: Ein Abstecher von Narvik nach Schweden

Wir entschieden uns für den Abisko Nationalpark, der etwa 70 km östlich von Narvik in Schweden liegt. Je weiter wir nach Schweden vorrückten, umso mehr Schnee umgab uns und umso weiter fiel die Temperatur. Schon bald zeigte sich wieder Madame Aurora am Himmel und es war schwierig einen Platz zu finden, an dem es dunkel war.

Nordlichter_Norwegen_2016

 

Einige Zeit düsten wir die Straße rauf und runter und hielten schließlich an einer Stelle am Wasser. Wir sind nach Gefühl hingefahren. Dort hatte bereits eine Fotografin ihre Kameras aufgereiht und wir gesellten uns dazu. Hin und wieder kreuzten Asiaten unseren Weg, die neugierig und nichts sagend auf unsere Kamera lugten. Wir warteten und genossen den Ausblick. Selten hat ein Bier so gut geschmeckt wie bei Minusgraden draußen im Abisko-Nationalpark.

Abisko, so sagt man sich, sei mit einer der besten Orte um die Nordlichter zu bestaunen. Wir wurden jedenfalls nicht enttäuscht! Im Abisko-Nationalpark gibt es übrigens eine Aurora Sky Station, wo man gegen Gebühr zuerst angezogen wird wie ein Michelin-Männchen um anschließend eine geführte Nordlichter-Tour anzutreten. Wer mich kennt, der weiß, ich entdecke lieber auf eigenem Fuß, doch ich wollte diese Möglichkeit für alle Weltenbummler da draußen einmal erwähnt haben.

Aurora Sky Station – Informationen:

Die Station öffnet im November und Dezember ab 21:00. Weitere Infos auf der Website.

Tickets kann man ab 645 SEK hier auf der Website erwerben. Und wer das ultimative Erlebnis möchte, der kann sich noch ein dekadentes Dinner unter der Aurora gönnen.


Kaum angekommen, waren 7 Tage auch schon direkt wieder vorbei. Wir haben die Nacht zum Tage gemacht (ähm, es war ja noch Tag – irritiert mich doch immer wieder). 7-Tage Lofoten-Rundreise! Es war mir ein Vergnügen. Es war mir die Erfüllung eines Herzenswunsches. Es war ein nicht sattsehen können an einer Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Es waren schnuckelige Faunrote Häuschen. Es war die Stille, die einen erden und atmen ließ. Es war der Geruch von Fisch, salziger Meeresluft und Moosen. Es war der Anblick von unberührtem, reinweißem Schnee und die spiegelglatten Seen, die einen mit Ehrfurcht erfüllten. Es war ein kunterbunter Himmel: pastell-rosa, Aurora Party, Wolken wie Seifenblasen oder eine zauberhafte Sternedecke, die alles um einen herum erhellte. Es war eine Natur, die einem den Atem stocken ließ.

Vor allem war es eine Reise, die mich näher an die Natur brachte.

Ja, das war es: 7 Tage in Norwegen, auf den Lofoten, mit einem kleinen spontanen Abstecher nach Schweden. Und ich habe eine neue Liebe gefunden…die Märchenlandschaft im hohen Norden!

Geht es euch wie mir?

 

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4 Comments

  • Jill | bliss & jaunt
    3. März 2017 at 11:11

    Hallo Marc, freut mich, dass du abonniert hast 🙂 Viel Spaß!

  • Jill | bliss & jaunt
    3. März 2017 at 09:52

    Liebe Hannah, es freut mich sehr, dass dir die Fotos gefallen! Ich selbst bin auch immer noch am strahlen, wenn ich sie anschaue. Es war einfach ein unglaubliches Erlebnis dort, vor allem die Nordlichten sind ein Spektakel, was man wirklich kaum in Worte fassen kann. Ich kann es dir nur wärmstens empfehlen, mal im Winter auf die Lofoten zu fliegen! Ich möchte nun gern nochmal selbst im Sommer nach Norwegen. Steht auch noch immer auf meiner Reiseliste. Viele Grüße, Jill

  • Hannah
    2. März 2017 at 22:27

    Wow, die Fotos sind einfach wunderschön. Kann ich gut verstehen dass die Gegend es dir so angetan hat ☺ nach Norwegen will ich auch unbedingt mal, Lofoten steht damit auf der Reiseliste! 😀
    Viele liebe Grüße, Hannah

  • Witsche
    23. Februar 2017 at 10:49

    Fürn anfang top abbo is raus

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