Auf der Suche nach dem eisblauen Wasserfall // Brúarfoss, Island

Es müssen nicht immer die Mainstream-Attraktionen am Golden Circle sein

Nachdem uns das Wetter im Süden von Island 3 Tage hintereinander Streiche spielte, ließ sich die Sonne endlich wieder blicken. Die Hauptattraktionen am Golden Circle kannten wir bereits, da tauchte ein wunderschöner Wasserfall im Instagram-Feed auf. Ohne lange zu überlegen war der Plan geschmiedet. Der beeindruckende, eisblaue Wasserfall Bruarfoss sollte es sein! Da wollten wir jetzt unbedingt hin.

Brúarfoss ist ein absolutes Schmuckstück, doch ihn zu finden, ist ein bisschen tricky. Auf keiner Karte, die wir in den Händen hielten, war er eingezeichnet. Ich meine, wir hatten gerade erst von seiner Existenz erfahren – dank Instagram. Wir wussten lediglich, dass er in der Nähe des Golden Circle irgendwo beim Geysir sein muss und über einen Trampelpfad zu erreichen ist. Weder Koordinaten noch eine vernünftige Wegbeschreibung hielten wir in den Händen.

Forscht man ein wenig im Internet, kursieren die verrücktesten Geschichten um den geheimnisvollen Standort von Bruarfoss. Auf dem Weg dorthin haben sich die einen verlaufen, andere den Weg gar nicht erst gefunden und wiederum andere (so wie wir) haben nicht einmal den Parkplatz gefunden.

Mit Google Maps fanden wir ihn schließlich und fuhren einfach los. Bis uns das Navi plötzlich auf eine Schotterstraße führte und nett erwähnt, wir sollen nun links abbiegen. Lustig! Hier gab es weder Weg noch Straße! Wir sollen also ins Gebüsch mitten durch die Krüppelkiefern fahren? Frau Navigation schien uns etwas verwirrt zu sein, also ging es wieder zurück auf die Hauptstraße.

Gleiches Prozedere von vorn, nur standen wir diesmal vor einer Schranke inmitten eines Privatweges, aus dem gerade jemand herausgefahren kam. Anscheinend kennt hier wohl niemand den geheimnisvollen Wasserfall, den wir finden wollten.

Wir drehten um, immer noch fest entschlossen, dass es irgendeinen Weg zu diesem Ort geben muss. Kein Wegweiser, kein Schild, keinen Platz auf der Landkarte.

An einem Ufer sahen wir einige Autos auf dem Acker parken und laut Navigation war der Brúarfoss den Fluss aufwärts. So würden wir ihn sicher finden.

Ich fühlte mich wie ein kleiner Hobbit auf einem neuen Abenteuer: Auf der Suche nach dem geheimnisvollen Wasserfall!

Die Suche nach dem mysteriösen Wasserfall

Mit Rucksack stiefelten wir los. Vorbei an Islandpferden, immer das Flussufer aufwärts. Der Regen der vergangenen Tage hatte riesige Pfützen und Matschwege geformt. In diesem Zuge danke ich meinen wasserdichten Lowa Boots – die mir wahrlich der beste Freund waren an diesem Tag! Niemand war weit und breit zu sehen und irgendwie kam mir alles sehr kurios vor.

Nach 10 Minuten Fußmarsch durch tiefen Matsch und Gestrüpp kam uns ein Pärchen entgegen, die uns erzählten, wir seien auf dem richtigen Weg. Thank God!

Also marschierten wir weiter, links neben uns ein glasklarer Fluss, vor uns ein matschiger Trampelpfad und ein paar kleine Brücken. Das Gebüsch wurde immer dichter und zwischendurch zweifelte ich ein wenig, ob wir nun wirklich richtig waren.

So stapften wir durch eine wunderschöne, zugewucherte Gegend bis die ersten kleinen Wasserfälle namens Hlauptungufoss und Midfoss unseren Weg kreuzten. Das Wasser so klar wie ein Kristall und blau wie der Himmel! Und das Beste war, wir waren ganz allein – keine Touristenmassen – und konnten dem Rauschen des Wassers lauschen, während uns die Sonne ins Gesicht lachte.

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Wir wanderten etwa eine Stunde, versuchten nicht mit dem Gesicht im Schlamm zu landen oder uns am Gestrüpp aufzuhängen und erreichten dann eine Brücke, auf der wir bereits aus der Ferne tosende Wassermassen hörten. Die letzten Meter bahnten wir uns den Weg an Sträuchern entlang des Ufers in Richtung Wasserfall. Zuerst tauchten ein paar Menschen auf, dann standen wir endlich auf der hölzernen Brücke am Brúarfoss!

Wow! Der plätschernde Brúarfoss ist ein wahrer Diamant! Noch nie zuvor habe ich so ein eisblaues Wasser gesehen, das sich den Weg durch eine Felsspalte zum Fluss bahnt.

Das Schöne an diesem Ort war, dass sich dort kaum Menschen tummelten, wodurch man den verzaubernden Anblick auf das glitzernde Wasser noch mehr genießen konnten.

Direkt vor dem Bruarfoss wurde eine Brücke über den Fluss errichtet, sodass die Aussicht besonders schön war.

Letztlich haben wir den längeren Weg über Stock und Stein gewählt. Die anderen Leute vor Ort waren wohl lediglich 10 Minuten Fußmarsch unterwegs und starteten bei der  Ferienhaussiedlung Tjaldsvæði STÍS. Was soll´s! Es lohnte sich definitiv und stellte eine tolle Alternative für eine kleine Wanderung abseits der gängigen Touristenpfade entlang des Golden Circle dar!

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Pssst… Der Geheimtipp Bruarfoss

Wenn du auch einmal den Golden Circle bereist, solltest du den Brúarfoss nicht missen. Absolut sehenswert! Unfassbar fotogen! Keine Touristenmassen weit und breit! Meiner Meinung nach ein Muss auf deiner Islandreise.

Ich möchte Dir diesen entzückenden Ort nicht vorenthalten und habe versucht, dir eine Wegbeschreibung für unsere kleine Wanderung zusammenzufassen:

Wegbeschreibung Brúarfoss: Von Reykjavik aus geht es die Straße 1 Richtung Mosfellsbær. Von dort aus biegst du erst in die 36 in Richtung Þingvellir und anschließend die 365 nach Laugarvatn. Jetzt fährst Du auf die 37 in Richtung Geysir.

Du wirst hier direkt am Straßenrand einen Parkplatz finden, der allerdings kein richtiger Parkplatz ist. Vermutlich werden dort auch bereits einige Autos stehen. Es gibt keine direkte Zufahrt zum Bruarfoss, sondern nur einen Trampfelpfad am Flusslauf entlang.

Folge dem Trampelpfad rechts vom Flusslauf für ca. 3 km. Du wirst ein paar Brücken überqueren, durch Gestrüpp wandern – doch du bist auf dem richtigen Weg! Zuletzt überquerst du noch einmal eine Brücke, läufst ca. 5 Minuten nach links und dann bist du da, an einem der blauesten Wasserfälle, den du je gesehen hast!

Brúárfoss-Koordinaten:
64.264722, -20.516389
64°15’53″N, 20°30’59″W

Erkundest du auch gern auf eigene Faust Orte – so wie diesen besonderen Wasserfall – die von Touristenmassen gemieden und abseits der typischen Touristenpfade liegen?

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