Eine Kreuzfahrt in der Karibik – (k)ein klassischer Reisebericht

Ein Gastbeitrag von Weltenbummler Finn

Dieser Beitrag ist dieses Mal nicht von mir: Geschrieben hat die Zeilen über die Karibik-Kreuzfahrt der liebe Finn (Ich selbst bin so seekrank, schon auf nem Gummiboot, sodass ich mich noch nicht auf ein Schiff gewarnt habe).

Hellblaue Meere, pralle Sonne, wunderschöne Strände – genau das stellt man sich vor, wenn man an die Karibik denkt. Und dann auch noch auf einem Kreuzfahrtschiff mitten durch das Karibische-Meer?

Das klingt schon nach einem Traumurlaub!  Ist es auch, würde ich behaupten.

Negative Seiten? Was soll mir schon passieren? Ein Sonnenbrand? Vielleicht dass ich mich am 24h-All-You-Can-Eat Buffet überfresse? Oder dass ich mich vielleicht nach einiger Zeit langweile? Okay, ich werde mich mal nicht anstellen. Mit diesen Problemen lebt man doch gerne. Urlaub ist in der Tüte – auf geht’s!

So in etwa würde ich meine Gedanken beschreiben, als es für mich genau in einen solchen Urlaub ging: 10 Tage auf einem Kreuzfahrtschiff. Start in Miami, Stopps in Haiti, Jamaika und Mexiko, Ende wieder in Miami. In diesem Blogpost möchte ich meine Gedanken und Erfahrungen – Gute wie Schlechte – genau über diese Reise mit euch teilen.

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Kreuzfahrt in der Karibik – Der erste Tag, der erste Eindruck

Wart ihr schon einmal auf einem Kreuzfahrtschiff? Wenn ja, könnt ihr euch noch erinnern, wie ihr euch gefühlt habt? Auch wenn in der Theorie schon tausende Fahrten in jeglichen Gebieten aller Ozeane durchgeführt wurden, traute ich dem Ding nicht. Für mich hat es sich zuerst angefühlt, als würde ich auf ein übergroßes Kanu gehen, dass jederzeit durch die kleinste Berührung mit dem Boden untergehen würde. Und das in der Mitte des Ozeans. Ohne Land am Horizont. Mit 30 Meter hohen Wellen und Haien im Wasser. Und dann noch das Schaukeln…”Na das kann ja was werden.” – mein einziger Gedanke.

Nach den ersten 2 Stunden an Bord, dem Auslaufen aus dem Hafen und dem ersten All-you-can-eat Buffet ist einem dieses Gefühl wirklich peinlich. Man merkt, wie man sich vollkommen zu Unrecht Gedanken über etwas gemacht hat und vergisst nach einer gewissen Zeit sogar, dass man sich auf einem Kreuzfahrtschiff befindet.

Es ist vielmehr ein schwimmendes Hotel:

Das Schiff  wackelt gar nicht so, wie ein Kanu im Wasser – außerdem helfen die unzähligen Pools, Restaurants, das Casino, ein Fitnessstudio, ein Theater, der Park, ein Basketballfeld, eine Eishalle zum Schlittschuhlaufen (jap, ernsthaft) und die Minigolf-Anlage über das Schaukeln hinwegzukommen. Das ist wirklich nicht einmal die Hälfte der Dinge, die man auf dem Kreuzfahrtschiff findet: Wellen-Simulatoren zum Surfen lernen, eine Zipline durch die „Wohnlandschaft“, ein Karussell im Kinderpark, eine Kletterwand, und ja, ich höre vielleicht lieber auf.

„Allure of the Ocean“ – Das ist das Kreuzfahrtschiff, auf dem ich war. Es gehört mit 6.300 Passagieren und 2.100 Besatzungsmitgliedern zu einem der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt und ob man es glaubt oder nicht, von diesen vielen Menschen sieht man gar nicht so viele, wie man denken würde. Außer beim Ankommen an einem Zielort, wenn sich die ganze Masse an Touristen vom Schiff herunter bewegt…aber das ist eine andere Geschichte.

Kann ich den Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff als Reisen bezeichnen?

Was habe ich also nun auf dem Kreuzfahrtschiff erlebt? Was sollte man wissen, wenn man sich überlegt eine Kreuzfahrt zu machen? Und was könnten einige der vorher erwähnten negativen Seiten sein?

Grundsätzlich kann ich sagen: Man bekommt den luxuriösen Traumurlaub, für den man sich entschieden hat. Es ist nach meiner Erfahrung bisher das einfachste in der-Welt-Herumkommen, das ich jemals erlebt habe. Und man bekommt wirklich das, was man sich unter so einer Reise vorstellt: Das Meer strahlt türkisblau,  die Sonne knallt einen auf den Kopf und die Strände sind wahnsinnige Kulissen für Postkarten.

Und doch, habe ich das Wort Herumkommen und nicht Reisen verwendet. Beim „Reisen“ mit einem schwimmenden Hotel aka. Kreuzfahrtschiff, insbesondere in der Karibik, wurde mir sehr bewusst, dass man nicht unbedingt den authentischsten Eindruck eines Landes bekommt.

Und woran liegt das? Zum einen daran, dass die Zeit an den einzelnen Orten sehr knapp ist. Als Tourist hat man bei einem Landgang die Wahl zwischen einer geführten Tour und dem Erkunden auf eigener Faust. Entscheidet man sich für die Option, selbst den Anlageort zu erkunden, so hat man mit Sicherheit eine viel authentischere Erfahrung, jedoch ist es fast nicht schaffbar, viele der Dinge, für die ein Land bekannt ist und die auf den Touren gezeigt werden, anzusehen. Außerdem hat man bei dem Erkunden auf eigene Faust immer das Risiko, dass man im Falle des nicht pünktlichen Zurückkommens auf der Insel zurückgelassen wird.

Deshalb klang so eine Tour doch irgendwie gar nicht so schlecht. In nur wenigen Stunden werden einem hier 1-2 gewisse Touri-Highlights gezeigt, die man dann als „dieses Land ist soooo schön, weil mir diese 2 Dinge so gefallen haben“ abspeichert.

Dass zu einem Land natürlich noch viele andere Dinge wie Kultur, die Menschen oder Essen gehören, ist oftmals gar nicht Teil der Erfahrung. Dies mag auch nicht jeden interessieren, jedoch war ich von meinen bisherigen Reisen eben dieses gewohnt.

Außerdem sind die Orte, an die man gebracht wird, touristisch geprägt und oftmals stellt sich eine kleine Stadt den ganzem Tag auf ein Kreuzfahrtschiff ein und „präsentiert“ sich natürlich in einem gewissen Stil. Natürlich wird aus der Masse an Touristen für eine Stadt einen größtmöglicher Gewinn versucht zu machen, was aber auch nicht zu verübeln ist. Aber auch dies ist nicht unbedingt das Reisen, das ich bisher gewohnt war.

Ein Kreuzfahrtschiff fährt Dich an der Realität vorbei

Der klarste Moment, der mir nicht hätte deutlicher wiederspiegeln können, wie sehr ich mich auf einer Kreuzfahrt wie in einer Parallelwelt befindete, war der Tag an dem wir auf Haiti ankamen. Unser Schiff musste bereits wegen dem heftig tobenden Hurricane Matthew die Route ändern, weshalb wir nicht wie geplant am zweiten Tag in Haiti ankamen, sondern am vorletzten.

Der Hurricane hatte nur wenige Stunden vor unserer Ankunft Haiti erreicht und ein trauriges Chaos hinterlassen: Zerstörte Häuser, Hunderte Opfer, Verwüstungen. Rund 13 Prozent der gesamten Bevölkerung der Insel waren auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es war die größte Katatrophe seit 2010 das Erdbeben ähnliche Zahlen hinter sich ließ.

Und so ankerte die prachtvolle „Allure of the Ocean“ an einem privaten Strand überfüllt von Touristen, getrennt von der Hauptinsel durch eine steile Bergkette. Es gab meines Wissens keine Möglichkeit von diesem Strand wegzukommen, da dieses Stück Land von der Gesellschaft gekauft wurde – Privatgrundstück also.  Das Anlegen war  somit nur für einen Landaufenthalt geplant.

Während wir uns also abgeschirmt durch Berge in einem bereits aufgeräumten Bereich sonnten, und uns zum gefühlt hundersten-Male auf dieser „Reise“ den Bauch am All-you-can-eat Buffet vollstopfen, hatten die Menschen auf der anderen Seite gerade Familienmitglieder und ihr zuhause verloren.

Ich habe mich noch nie in meinem Leben so stark in einer Mehrklassengesellschaft und absurden Situation gefangen gefühlt, wie in diesem Moment. Auf meinen bisherigen Reisen bin ich bereits schon viel Armut und Ungerechtigkeiten begegnet. Dieses Mal allerdings nichts vom Land geschweige denn dem Chaos zu sehen, gleichzeitig aber zu wissen, was auf dem selben Stück Land passiert, war für mich noch viel schlimmer.

Nun, um das Geschehene auf das zu übertragen, worum es eigentlich geht – das Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff – stellten sich mir folgende Fragen:  War das die Schuld des Kreuzfahrtschiffes?

Nein.

War das die Schuld irgendeines Gastes oder der Gesellschaft?

Auch nicht.

Eigentlich war niemand an der Situation Schuld. Auch nicht die Leute, die in dieser absurden Situation entschieden, in einem solchen Moment das All-you-can-eat-Buffet aufzubauen. Aber dennoch hat es mir einen großen Realitäts-Schub gegeben, was ich gerade in diesem Augenblick tue und was für eine Ungerechtigkeit das bedeutete.

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Würde ich eine Kreuzfahrt empfehlen?

Natürlich habe ich auf der Fahrt auch wunderschöne Dinge erlebt. Wie ich vorhin gesagt habe, ist es auch eine traumhafte Erfahrung. Auch wenn man ein Land nicht intensiv kennenlernt, so bekommt man einen kurzen, aber dennoch erlebnisreichen Einblick. Dass auf der Reise auch noch eine Naturkatastrophe geschah, konnte niemand ahnen.

Was ich jedoch festgestellt habe, ist, dass eine Kreuzfahrt nicht jedem Reisebedürfnis entgegenkommen wird. Viele Menschen, wie ich auch, verbinden das Reisen mit dem Entdecken von Neuem – und das auf eigene Faust.

Bei einer Kreuzfahrt wird einem dieses “Entdecken” so leicht gemacht. DU musst dich quasi um nichts mehr kümmern, buchst eine vordefinierte Erfahrung, die der Veranstalter mit größtem Einsatz versucht durchzusetzen.

Was solltest Du also wissen, bevor du dich für eine Kreuzfahrt entscheidest:

  • Du bekommst ein Rundum-Sorglos-Erlebnis bestehend aus „neuen Orten kennenlernen“ und Entertainment (an Board)
  • Du hast die Möglichkeit sich maximal zu entspannen und wenn man sich für eine Erfahrung entscheidet, dann bekommt man sie auch
  • Auf eigene Faust zu handeln kann risikoreich sein. Insbesondere je „fremder“ die Gegebenheiten eines Landes sind. Zudem ist die Zeit vor Ort kurz, sodass auf eigene Faust loslaufen etwas mehr Planung erfordert.
  • Du nimmst mindestens 3 kg zu (Danke an das All-You-Can-Eat-Buffet)
  • Kreuzfahrtschiffe sind eine der schlimmsten „Dreckschleudern“ für die Umwelt
  • Wer es nicht probiert, weiß nicht was er oder sie verpasst

Ich hoffe, dass Euch der Artikel von mir gefallen hat und bin gespannt über weitere Meinungen zu diesem Thema.

Findet ihr, dass Kreuzfahrten wirklich einen zu oberflächliches Eindruck eines Landes bieten? Oder kann man solche Erfahrungen auch auf andere Reise-Arten übertragen?

Danke Jill, dass ich auf deinem Blog einen Beitrag verfassen durfte.

Euer Finn

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