Wer ist dein Anker, wenn du im Trauer-Meer davontreibst?

Was ich durch den Tod meiner Freundin über mein Umfeld gelernt habe

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Die verrücktesten Dinge passieren immer genau dann, wenn man nicht damit rechnet.  Das Schicksal bricht wie eine Welle herein und wirbelt dich umher. Du schluckst salzige Tränen und drohst am Tränenmeer zu ertrinken.

Ganz unerwartet hatte ich eine Freundin an einen Herzinfarkt verloren & mein eigenes Herz blieb stehen. Das Schicksal ist doch ein mieser Verräter.

Plötzlich ist ein geliebter Mensch weg, der Alltag muss gewuppt werden, und Job und Studium auch noch irgendwie mit einem Lächeln bewältigt. Man stolpert, und es gibt Momente, da will man nicht mehr stark sein. Da möchte man entweder seine sieben Sachen packen und über Nacht mit einer Flasche Wein auf eine einsame Insel flüchten. Am liebsten sofort zum Sehnsuchtsort nach Südafrika. Und weil das zu weit weg ist,  erscheinen die Arme des Partners, in die man sich einfach fallen lassen möchte, viel näher.

Was lernt man über sein direktes Umfeld und den Partner, wenn die Freundin plötzlich ein Engel ist?

Die einen werden deine Tränen trocknen und dich einfach nur in den Arm nehmen. Es gibt auch diejenigen, die deinen Kummer nicht nachvollziehen können. Dann wird erwartet, dass du einfach alle Trauer-Phasen mal eben überspringst. Das Leben geht ja schließlich weiter. Doch lass Dir gesagt sein, die Trauerphasen sind ganz normal.

Und dann ist der der Mensch, von dem Du neben deiner Familie den meisten Rückhalt bekommen solltest:

Dein Partner.

Doch spielt so nicht das Leben? Der Partner an deiner Seite, das sollte dein Anker sein. Wenn alles um dich herum zerbricht, dann sollte er dir zeigen, dass man aus den Scherben etwas Schönes bauen kann.

Manchmal erträgt man seinen Partner vielleicht auch nicht. Manchmal, da ist einfach alles zu viel. Manchmal ist dein Partner mit der Situation einfach überfordert. Immerhin stand ja nur dir selbst die Person so nahe. Weiß nicht was er/sie sagen soll. Ist ja auch ne beschissene Situation, wenn wir mal ehrlich sind.

Zu Beginn blickt man durch eine rosarote Brille, kennt den Partner noch nicht so gut und denkt man könne sich immer auf ihn verlassen. Schwierige Situationen brauchen mehr Mühe, mehr Willen, sie zu meistern. Selbst kleine Diskussionen kosten viel Mühe. Dann plötzlich haut das Leben dir die Schaufel ins Gesicht und schickt einen geliebten Menschen in den Himmel… Auf einmal fühlst Du dich, als würdest du im Meer davontreiben, ohne Land in Sicht. Strampeln, Salzwasser schlucken und ganz langsam untergehen.

Es macht wirklich keinen Unterschied, ob man zu dem Zeitpunkt erst vier Monate, zwei oder fünf Jahre zusammen ist. Oder macht es das doch? Ich denke: Nein.Wenn Du einen geliebten Menschen verlierst, dann sollte dein Herzmensch an deiner Seite für dich da sein. Und damit meine ich nicht nur mal eben ne Pseudo-Ich-Denk an Dich SMS „Wie geht’s Dir?…Iss mal was.“ Nein.

Wenn Aussagen fallen wie „Beruhig dich mal…ist ja jetzt niemand aus der Familie der gestorben ist.“ „Ach ich hab auch schon jemanden verloren. Da war ich auch traurig.“ – Nein. Dann ist dieser Herzmensch nicht der Herzmensch, auf den Du dich verlassen kannst. Dann ist dieser Mensch nicht dein Anker, dein Heimathafen.

Wenn du diese Dinge erlebst, dann ist der Mensch an deiner Seite NICHT dein Anker

Wenn der tägliche Sport wichtiger ist, als dein Kummer – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn Unverständnis für deine Trauer herrscht – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn ein Bier am Abend mit den Freunden wichtiger ist als Du – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn das Handy wichtiger ist, als dir zuzuhören – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn deine 6 Anrufe die du aus Panik tätigst, weil Du denkst du erstickst an deiner eigenen Trauer, nicht entgegen genommen werden und außer einer auch kein Rückruf kommt  – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn du vor lauter Tränen nichts mehr siehst und von einem Tränenmeer blind nach Hause fährst, während dich niemand aufhält – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn dir eine Woche nach dem Tod deiner Freundin in der Küche plötzlich aus heiterem Himmel wieder die Tränen laufen, weil du daran denken musst, wie du das letzte Mal in Südafrika beim Kochen mit deiner Freundin gestritten hast und die Frage kommt “Was ist denn jetzt schon wieder!” – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn du von deinen Sorgen über die Familie erzählst, die deine Freundin zurückgelassen hat und du fünf Minuten später ein Schnarchen als Antwort erhältst – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn du von deinen schönen Erlebnissen mit deiner verstorbenen Freundin erzählst, und es auch hättest deiner Palme erzählen können – dann ist dieser Mensch nicht dein Anker!

Wenn du dich allein gelassen fühlst mit deinem Kummer – Ich muss es nicht noch einmal erwähnen, oder? Oder doch: DIESE PERSON IST NICHT DEIN ANKER!

Und von einem Tag auf den anderen, da war dann noch ein geliebter Mensch weg. Ich bin gegangen.

Der Verlust eines geliebten Menschen ist mitunter die wertvollste Probe, ob die Menschen an deiner Seite wahre Freunde und wirklich die Herzmenschen sind für die man sie hält, die ich jemals hatte.

Wende dich den Menschen zu, die dir beistehen

Ich habe mich denen zugewandt, die mich aufgefangen und meine Tränen getrocknet haben:

Meinen Freunden.

Meiner Familie.

Wenn Sie dich in den Arm nehmen, weil du deine Freundin plötzlich so sehr vermisst und dir bewusst wird, dass sie niemals wieder kommen wird – diese Menschen sind dein Anker!

Wenn Sie sich am Abend mit dir treffen und Kochen, damit du wenigstens ein bisschen etwas isst – diese Menschen sind dein Anker!

Wenn sie mit dir über deine Freundin sprechen, nach schönen Erlebnissen fragen und vor allem dir einfach nur zuhören – diese Menschen sind dein Anker!

Wenn sie dich von der Arbeit heim fahren wollen, weil du so sehr weinst – diese Menschen sind dein Anker!

Wenn sie dir sagen, dass du traurig sein darfst, dass du sie zu jeder Zeit anrufen kannst, wenn dich die Panik überkommt – diese Menschen sind dein Anker!

Ich gebe Dir und meinem 30-jährigen Ich nun folgendes mit auf den Weg:

Wann immer Du noch einmal von einer Person im Stich gelassen wirst, wenn du sie am dringendsten brauchst: Nimm deine Füße in die Hand und geh! Rechtzeitig.  Fokussiere dich auf die Menschen, die dir in der schwierigen Zeit beistehen. Hör auf Ausreden zu finden, wieso du mit deiner Trauer allein gelassen wirst.

Geh und schenke deine Energie einem Menschen, der dir hilft diese Trauer zu überstehen. Jemandem, der deine Hand nimmt. Jemandem, der dir zeigt, dass Du nicht allein bist.

Noch ein paarmal habe ich mich umgedreht. Gehofft, dass mein Lieblingsmensch mich auffängt und der Anker ist, für den ich ihn gehalten habe.

Nun ja! Die eine ist nun ein Engel, hält meinen Kopf über Wasser und beschützt mich immer noch und der andere, der hat sich lieber in seinen eigenen sicheren Hafen gerettet.

Ich liebe Euch beide. Trotz allem.

Und vor allem liebe ich meine Familie. Meine Freunde. All die Menschen, dir mir in der schwierigen Zeit gezeigt haben, was wirklich wichtig ist im Leben. Die meine Tränen ertragen und getrocknet haben. Mir Mut und Zuversicht zugesprochen haben und vor allem mich haben traurig sein lassen.

Ihr habt mir geholfen, nicht planlos in den Tränenfluten herumzutreiben! Ihr seid mein Anker. Ihr seid meine Herzmenschen.

Nun erzähl mir mal. Wie sieht es bei Dir aus? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

♥ Jill

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Ja habe ich.
    Meine Freundin verstarb an Schilddrüsenkrebs.
    Es ist jetzt schon 23 Jahre her.
    Und heute ist es manchmal so, als wenn es gestern gewesen währe.
    Sie fehlt mir so oft.
    Ihr Witz, ihr lachen, das zuhören und da sein………
    Alles fehlt.
    Sie war ein so toller Mensch und mußte auch zu früh Sterben.
    Sie war 32 Jahre alt, als die Krankheit zufällig entdeckt wurde.
    Man sagte ihr, 36 Monate, vom Ausbruch der Krankheit , bis zum Tod.
    Sie sagte dann, daß sie gar nicht weiß, wieviel Zeit sie noch hat ?
    Wieviel schon weg ist, von den 36 Monaten ??
    Ich könnte es ihr heute sagen.
    12 Monate waren schon weg.
    Auf den Tag genau, 2 Jahre später Starb sie.
    Es war so schrecklich für mich.

    Aber noch viel schrecklicher war es für ihre zwei Mädchen.
    Die mit 12 und 14 Jahren, ihre Mutter verloren.
    Und 3 Monate später auch noch die Oma, die saß gleiche Schicksal hatte.

    Ich will auch nicht erzählen, wie es für Kinder ist, wenn Mutti und Omi in regelmäßigen Abständen immer wieder ins Krankenhaus gehen, eine Chemotherapie nach der anderen machen, nur um wieder gesund zu werden.
    Damit sie für ihre Kinder da sein können.
    Sie aufwachsen sehen.

    Oder wie sich meine Freundin fühlte, wenn sie wieder in die Klinik mußte.
    Nicht bei ihren Kindern sein könnte.
    Die sie grade jetzt auch so sehr brauchten.

    Ich bin die zwei Jahre mit ihr gegangen.

    Ich weiß nicht mal was besser ist ?
    Der plötzliche Tod. Oder das wissen, daß man stirb.
    Und noch schlimmer ist es, wenn man schon so eine cirka Zeit hat.
    Jeder weiß ja schließlich, daß er stirbt.
    Aber keiner denkt darüber nach, bis es einen dann erwischt.

    Es weiß nur niemand, wann,wo und wie ??
    Und das ist auch gut so.

    Ich habe danach beschlossen, meine Zeit nur mit den Menschen zu verbringen, die mir gut tun.
    Ich möchte mich mit niemanden rumärgern. Privat jedenfalls.

    Ich hatte angefangen Menschen zu sortieren.
    Wer ist mir wichtig ?
    Wer tut mir gut ?
    Wer ist für mich da ?
    Wer fängt mich auf ?
    Wer hält mich ?

    Und, für wen möchte ich da sein ??
    Tag und Nacht.
    Für wen kann ich da sein ?
    …………..
    Diese Dinge gehen auch anders rum.
    Das macht es aus.
    Das ist Liebe.
    Diese Liebe, die man auch Freunden gegenüber empfindet.
    Echte Freunde sind Familie.
    Man muß sie hüten, wie einen Schatz.
    Man hat da nicht so viele von.
    Meistens kann man sie an einer Hand abzählen.
    Die, die immer für einen da sind………

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